Mein Leben, oder das was heute noch davon übrig ist, begann am 05.05.1800.
Ich lebte zusammen mit meinen Eltern und einigen Bediensteten auf einem Gut welches sich in einem kleinen Vorort von Wien befand.
Diesen Vorort gibt es schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr und wurde einfach in die wunderbare Stadt Wien integriert. Wien, die Stadt die ich auch heute noch am meisten schätze und liebe von allen Städten auf dieser Erde.
Seit dich denken kann faszinierten mich alte Legenden und Geschichten.
Für ein Mädchen war ich unglaublich gebildet und da meine Familie recht wohlhabend war, duldeten meine Eltern meine Interessen.
Im Gegenzug dazu bemühte ich mich immer neues zu lernen um einmal eine gute Ehefrau zu werden. Doch innerlich sträubte sich alles in mir dagegen in das Bild der typischen Frau in diesem Jahrhundert zu passen. Mehr als einmal geriet ich mit meinen Eltern in Streit weil sie meine Ansichten weder teilten noch verstehen konnten.
Schon mit 10 Jahren war ich dem Sohn eines benachbarten Gutsbesitzers Versprochen worden um unsere beiden Güter zu verbinden. Ich hielt wirklich gar nichts davon zu heiraten ohne mich zu verlieben.
Schon früh hatte sich eine der vielen Legenden, die ich gelesen hatte in, meinem Kopf festgesetzt.
Sie handelte davon, dass die Menschen nicht zu allen Zeiten so aussahen wie sie es heute taten.
Vor langer, langer Zeit besaß jeder Mensch zwei Köpfe, vier Arme und Beine.
Die Menschen lebten in Eintracht miteinander, niemand war einsam oder vermisste irgend etwas.
Doch dies sollte nicht so bleiben!
Die Menschen gerieten in Streit, die Eintracht war zerstört, die Harmonie erstarb und alles zerbrach.
Eine Weile betrachteten die alten Götter dieses Treiben, bis sie schließlich beschlossen, dem Einhalt zu gebieten. Sie straften die Menschen indem sie die Menschen von ihrer anderen Hälfte trennten und sie in alle Himmelsrichtungen der Erde verstreuten.
Jeder war von da an dazu verdammt sein Leben allein zu verbringen. Doch die Zeit verging, die Kinder der Erde begriffen, was sie verloren hatten und begannen zu suchen. Sie suchten nach ihrem verlorenen Teil, dem fehlendem Stück ihrer Seele. Bis heute sind die Menschen dazu verdammt und auch besessen davon zu suchen. Viele finden ihn nie, diesen anderen Menschen, das Gegenstück zu ihrem eigenen ich.
Ich hatte mir vorgenommen zu suchen und nicht aufzuhören bis ich ihn gefunden hatte, diesen anderen Menschen oder der Tod meine Suche beenden würde.
Es war an meinem 20. Geburtstag an dem ich Nikolas, so hieß der Sohn unserer Nachbarn, kennen lernen sollte.
Ich war an diesem Tag nur kurz zum Frühstück aus meinem Zimmer gekommen, damit meine Eltern mir gratulieren konnten.
Wie jedes Jahr bekam ich eine neue Garderobe und einige Bücher die ich mir gewünscht hatte. Es war noch früher Nachmittag und ich stand gerade vor dem Spiegel als mir die Türglocke die Ankunft unserer Gäste verriet.
Schon seit Wochen machte ich mir Gedanken wie ich wohl einen möglichst schlechten Eindruck machen konnte. Ich hatte ein rubinrotes Kleid aus meinem Schrank herausgekramt, welches sehr provokativ geschnitten war und mein langes dunkles Haar trug ich nicht ordentlich hochgesteckt sondern ließ es offen über meinen Rücken fallen.
Die Stimme meiner Mutter riß mich aus meinen Überlegungen und ich machte mich bereit den Nachbarssohn ordentlich zu vergraulen.
Doch alles kam anders als ich es erwartete.
Mein Zimmer führte direkt auf die zweite Empore der großen Treppe die in der Eingangshalle endete. Ich trat an das Geländer und sah nach unten wo mein Vater die Valoirs freundlich begrüßte.
Etwas weiter hinter ihnen stand ein junger Mann und ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen. Er trug schwarze enge Hosen, ein weites weißes Rüschenhemd und eine rote Weste die in Farbe und Stoff meinem Kleid genau gleichte.
Als meine Mutter zu mir sah trat ein ärgerlicher Ausdruck in ihre Augen.
"Elisabetha, was zum..."
Ich hörte sie nicht, ich sah nur noch diesen Fremden den ich mitlerweile eindeutig als Nikolas de Valoir identifiziert hatte.
Auch er starrte mich an und ein verwundertes Lächeln spielte um seine Lippen.
Sein dunkles Haar schimmerte leicht rötlich und war ordentlich zu einem Zopf nach hinten gebunden. "Willst du uns nun endlich Gesellschaft leisten!" drang nun doch die Stimme meines Vaters in mein Bewusstsein.
Danach murmelte er etwas wie "Diese jungen Leute, nicht berechenbar" und ich sah wie Nikolas Eltern lachten und erwiederten: "Ja, ja das kennen auch wir nur zu gut."
Ich begann die Treppe hinu nter zu gehen doch schaffte es nicht meinen Blick von Nikolas abzuwenden.
Er empfing mich am Fuß der Treppe machte eine elegante Verbeugung, nahm meine Hand und küsste sie.
"Mademoiselle Elisabetha, es ist mir eine Ehre Sie kennen zulernen."
"Diese Ehre ist ganz auf meiner Seite," sagte ich und blickte auf.
Nie hätte ich gedacht dass mich dieser Mann noch mehr faszinieren konnte, doch seine Augen belehrten mich eines besseren. Sie waren von einem dermaßen tiefen und strahlenden grün, dass ich darin versinken wollte.
Solch ein Grün kannte ich nur von meinen eigenen Augen und hatte es nie bei einem anderen Menschen gesehen.
Um meine Eltern nicht vollends zu verärgern begrüßte ich Nikolass Eltern höflich und wartete dann was als nächstes geschehen sollte.
"Wollen wir nun Kaffee trinken?" unterbrach meine Mutter das peinliche Schweigen, hakte sich bei Monsieur de Valoir ein und geleitete ihn in den Salon.
Der Salon, der großzügig in rotbraun und gold gehalten, war war schon für sechs Personen vorbeireitet und eingedeckt.
Dampfender Tee stand auf dem Tisch und Nikolas geleitete mich zu meinem Platz, während er mir den Stuhl zurechtrückte sah er mir in die Augen und nahm dann gegenüber von mir Platz.
Selten hatte ich mich so gut unterhalten wie an diesem Nachmittag.
Schnell fand ich heraus dass unsere Interessen sich auf genau derselben Ebene konzentrierten.
Mir schien es als wären nicht mehr als ein paar Minuten vergangen seit wir uns gesetzt hatten, als die Valoirs aufstanden und sich anschickten zu gehen.
Wir, meine Eltern und ich, geleiteten sie hinaus und zum Abschied küsste Nikolas meine Hand abermals und verschwand dann mit seinen Eltern in der Dämmerung.
Mir schwirrte nur noch ein Gedanke durch den Kopf: Wie konnte ich ihn so schnell wie möglich wiedersehen.
Nachdem ich mir noch eine deftige Standpauke von meiner Mutter angehört hatte, ging ich selig zu Bett.
Am nächsten Morgen weckte mich ein unbekanntes Geräusch. Es klang nach Steinen die an mein Fenster geworfen wurden.
Schnell stand ich auf, trat ans Fenster und öffnete es. Nikolas stand darunter und winke mir zu.
"Lust auf einen kurzen Ausritt, Prinzessin!"
"Aber selbstverständlich", flötete ich, "ich muß mich nur schnell ankleiden. Warte an der Rückseite des Hauses auf mich."
So schnell ich konnte zog ich mich an und schlich mich dann leise durch die Küche aus dem Haus.
Ich hatte Glück und meine Eltern schliefen um diese frühe Stunde noch fest.
Als ich aus der Tür trat wartete schon ein wunderschöner brauner Wallach auf mich. Nikolas half mir beim aufsteigen und ich zügelte mein Pferd bis an das Hoftor unseres Gutes.
Dann ließ ich ihm freien lauf. Kurz sah ich Nikolas erstauntes Gesicht als ich an ihm vorbeizog.
Ich liebte das Gefühl von Wind der sich in meinem Haar fing.
Er hatte Mühe mich einzuholen und als er es geschafft hatte, rief er mir herüber: "Nicht, schlecht, für ein Mädchen."
Mit einem süffisantes Lächeln auf den Lippen.
"Nun Monsieur, mit mir ist nicht leicht Schritt zu halten."
"Wohin reiten wir? "
"Ich kenne eine wunderschöne kleine Lichtung. Einfach mir nach."
Es dauerte keine viertel Stunde bis wir die Lichtung erreichten.
Ich stieg ab und band mein Pferd an einem Baum an. Schon in diesen frühen Stunden verriet die Sonne, dass es ein milder und warmer Frühlingstag werden würde.
Ein wenig Tau glitzerte noch immer im Gras und die Sonne malte wunderschöne Schattenbilder durch das Laub der Bäume.
Nikolas breitete eine Decke auf der Wiese aus und ließ sich im Schneidersitz darauf nieder.
Nach kurzem Zögern tat ich es ihm gleich.Wir redeten ich weiß nicht mehr wie lange, und als er meine Hand nahm und sagte: "Etwas besseres als Du konnte mir nicht passieren" stiegen mir Tränen in die Augen.
Hatte ich ihn gefunden, diesen anderen Menschen der war wie ich selbst? Ich nahm einen Ring von meinem Finger und steckte ihn ihm an. Dann küsste ich ihn.
Es war mir egal was er dachte oder was andere denken würden.
Erst spät am Nachmittag kehrten wir zurück und niemand stellte Fragen wo ich gewesen sei.
Die nächsten Wochen verliefen wie ein Traum. Meine und Nikolass Eltern schmiedeten Hochzeitspläne, während wir ausritten, ins Theater gingen und lange Abende vor dem Kamin saßen und alte Legenden lasen.
Es war ein Donnerstag als Nikolas zu mir kam um mir zu erzählen dass er für ca einen Monat nach Deutschland fahren musste um Geschäfte für seinen Vater zu tätigen.
Sofort hatte ich ein ungutes Gefühl und bat ihn nicht zu gehen, aber ich wusste dass er fahren musste.
Dies tat er dann auch zwei Tage später, nachdem er mir versprochen hatte mir jeden Tag zu schreiben.
So war es dann auch, jeden Tag erreichte mich ein Brief per Eilbote. Er schrieb mir wie sehr er mich vermisste und wie unwohl er sich in der Gesellschaft der Geschäftspartner seines Vaters fühlte.
Seit einigen Tagen träumte ich schlecht, schreckliche Dinge von Tod und Blut.
Am Morgen an dem ich aus dem schlimmsten Traum erwacht war wartete ich vergeblich auf einen Brief von ihm. Auch am Tag darauf.
Ich war verzweifelt und wollte nach vier Wochen ohne Nachricht von Nikolas nach Deutschland fahren. Doch meine Eltern verboten es mir.
Nikolass Vater aber tat dies um nach seinem Sohn zu suchen. Woche um Woche verstrich. Ich aß nichts mehr, konnte kaum noch schlafen und meine schreckliche Vorahnung schien sich in Wirklichkeit verwandelt zu haben.
Der schlimmste Tag meines Lebens war der an dem Nikolass Vater zurückkehrte, mit der Nachricht, dass man einen jungen Mann aus den Fluten des Rheins geborgen und einige Tage später auf dem Friedhof der Namenlosen begraben hatte.
Als einzige Identifikation diente ein silberner Ring, den der Tote am Finger getragen hatte.
Nikolass Vater hatte ihn mitgenommen um ihn mir zu zeigen.
Ich erkannte ihn, es war mein Ring und mein Herz schien zu brennen in dem Moment als ich ihn in die Hand nahm. Doch weinen konnte ich nicht.
Ich ging auf mein Zimmer und schloß mich ein.
Es war knapp vier Monate her, seit ich Nikolas auf Wiedersehen gesagt hatte und mein Glück zerbrochen war.
Vier Monate und es kam mir vor als wäre es eine halbe Ewigkeit.
Die nächsten Tage verbrachte ich damit die Erinnerungen die ich an ihn hatte aufzuschreiben.
Ich zeichnete Bilder von ihm und verstreute sie in meinem Zimmer.
Meine Mutter sah ab und an nach mir und versuchte mich dazu zu bringen, etwas zu essen.
An einem Sonntag Abend im Dezember, meine Eltern waren zu einem wichtigen Diner ausgegangen, wollte ich meinem Leben entgültig ein Ende setzen.
Nichts war schlimmer als dieser Verlust. Ich war schon lange tot, gestorben zusammen mit meinem geliebten Nikolas.
Vor meinem Fenster lag frischgefallener Schnee und es schneite noch immer.
Der Schnee bedeckte die gesamte Landschaft, die dadurch sah so friedlich und schön aussah.
Seit knapp einer Stunde saß ich auf meiner Fensterbank und starrte hinaus.
Die Kälte störte mich nicht, ich spürte nichts mehr. Schneekristalle hatten sich in meinem Haar gefangen und das Kaminfeuer flackerte wild im Luftzug der durch das Fenster hereinzog.
Mich am Fensterrahmen festhaltend stand ich auf und breitete die Arme aus.
Ich wusste dass Nikolas auf mich wartete, egal wo und ich war nun bereit zu ihm zu gehen, denn so wollte ich nicht mehr weiterleben. Er war das fehlende Stück zu meiner Seele gewesen und niemals wieder würde ich einem Menschen wie ihm begegnen, diese Chance war vertan.
Das ich fiel merkte ich erst als mein Haar vom Wind nach hinten geschlagen wurde.
Ich wartete, wartete auf den Aufprall der nun unweigerlich auf mich zukam. Doch nichts dergleichen geschah. Weich wurde ich aufgefangen von zwei starken Armen und als ich die Augen aufschlug sah ich. . . Nikolas !
Und nun merkte ich dass ich nicht auf der Erde stand, sondern noch immer in der Luft hing, zusammen mit ihm.
Als seine Füße meine Fensterbank berührten und er mich zurück in mein Zimmer brachte wurde mir schwindelig.
Mein Herz wusste dass er es war, doch mein Verstand bekriegte mein Herz mit gnadenloser Vernunft.
"Meine Elisabetha !" als er sprach kamen endlich die Tränen die ich solange nicht hatte weinen können.
Ich stammelte Dinge wie: "Wie ist das möglich... wo warst du.....Nikolas, oh gott..." und es dauerte eine ganze Weile bis ich mich wieder unter Kontrolle hatte.
Anstatt etwas weiteres zu sagen, nahm er mich einfach in die Arme.
Und ich weinte mich hemmungslos an seiner Schulter aus. Als er mich sanft von sich schob und mir in die Augen sah war jeder Zweifel fortgeweht.
Ich wischte mir über die Augen und bemerkte erst jetzt wie kalt mir war. Er zog mich an den Kamin.
"Hör zu" sagte er endlich. "Ich sollte nicht hier sein, und doch bin ich so froh dass ich es bin, denn was wäre aus dir geworden? So etwas Dummes wolltest du tun!"
"Wie konntest du mich nur all die Zeit im ungewissen lassen?"
"Es ging nicht anders, mon coeur. Es ist so viel Schreckliches geschehen."
Ich nahm seine Hände in meine. "Was ist geschehen?"
"Du willst es erfahren? Nun gut, aber ich werde Dich nicht schonen."
Mehr als ein Nicken brachte ich nicht zu stande.
Die Geschichte die nun folgte hätte aus einem meiner Alpträume stammen können.
Sie handelte von Blut und Tod, von Unsterblichkeit und Verrat. Die Geschäftsfreunde von Nikolass Vater kursierten in merkwürdigen Kreisen, die sich immer enger um Nikolas gezogen hatte.
Ich wusste nicht was ich sagen oder denken sollte, als Nikolas mir von den Geschöpfen der Nacht erzählte, von Vampiren, die wir beide nur aus alten Sagen kannten und mir erklärte dass ihn bösartige Wesen zu genau diesem Geschöpf der Nacht gemacht hatten.
Er erzählte sachlich und völlig ruhig doch ab und an sah ich abgrundtiefen Haß in seinen grünen Augen aufblitzen. Ich verstand, langsam, aber ich verstand und ich durchlitt mit ihm zusammen erneut, dass Grauen dass er erlebt hatte.
Doch war ich nicht entsetzt oder erschrocken wie er es erwartet hatte, denn es war mir egal, was er war, Hauptsache er war zurück, bei mir.
Mit den Worten: "Was soll nun werden?" endete er. Er faltete seine Hände und stützte seine Stirn darauf. Ich kniete mich vor ihn und zwang ihn mich anzusehen.
"Was soll schon werden? Die Hauptsache ist dass wir wieder zusammen sind. Ich werde mit dir gehen, wohin auch immer."
"Du weißt nicht was du da sagst? Du müsstest Dein altes Leben aufgeben, dich verabschieden von allem was Dir lieb und vertraut ist?"
"Ja, ich weiß!" Er stand auf und wieder nahm er mich in die Arme und küsste mich.
Dann spürte ich seinen Lippen warm an meinem Hals und einen kurzen Schmerz, den ich nicht identifizieren konnte.
Ich fiel wieder, in ein grelles Licht, aus rot und gold, doch diesmal hielt mich nichts auf.
Es war wie ein Strudel der mich immer tiefer zog und plötzlich sah ich mich selbst neben mir stehen.
So wie ich mich kannte und war. Sie winkte mir zu und sie, diese andere die doch ich war verschwand. Jetzt spürte ich dass ich gefangen war, in meinem eigenen Körper, unfähig auch nur einen Muskel zu bewegen. Dieses Gefühl ließ mich fast wahnsinnig werden. Ich wollte schreien doch meine Stimmbänder versagten mir den Dienst. Dann zwang eine nie gekannte Wärme wieder Gefühl in meinen tauben Glieder.
Ich spürte meine Augen, doch wenn ich Augen hatte, konnte ich sie auch aufschlagen. Blinzelnd sah ich mich um. Alles sah so anders aus.
Ausgestreckt lag ich auf dem Boden und Nikolas hielt mich noch immer im Arm. Rote Tränen rannen über seine Wangen. Er hatte seine Augen geschlossen.
Unter Anstrengung hob ich eine Hand und strich ihm die Tränen aus dem Gesicht.
Erschreckt öffnete er die Augen und sah mich an. "Ich dachte, ich hätte Dich verloren!"
"Nein, aber nein!" Noch viele Stunden saßen wir so da, doch dann war es Zeit mein altes Leben zu verlassen. Ich packte einige meiner Sachen zusammen und wir verließen das Gut meiner Eltern.
Niemals habe ich es wieder gesehen. Oft vermisste ich meine Eltern, doch nie würde ich etwas anders machen als ich es damals tat.
Die Zeit mit Nikolas, die mir fast 103 Jahre vergönnt war, war die Erfüllung meines Lebens.
Ich verlor ihn, bei einem tragischen Unglück.
Ein Theater das wir oft besuchten brannte bis auf die Grundmauern ab und als Nikolas den Schauspielern helfen wollte, wir hatten sie liebgewonnen, verlor ich ihn aus den Augen.
Eine hysterische Menschenmenge zwang mich nach draußen und keine meiner Kräfte konnte mir in diesem Moment helfen.
Als die Dämmerung graute, musste ich mir einen Unterschlupf suchen und fand ihn auf einem kleinen armseligen Friedhof in der Nähe.
Als ich am nächsten Abend zur Stätte des Unglücks zurückkehrte war keine Spur von Nikolas oder unseren Freunden mehr geblieben. Ich weinte und meine Knie gaben unter mir nach.
Mein Leben ist seither leer und wieder bin ich getrennt vom fehlenden Teil meiner Seele.
Die Liebe habe ich aus meinem Leben verbannt, denn die Liebe bring im Endeffekt nur Schmerz und Trauer. Seit ich mit Nikolas damals fortging, nenne ich mich Elisbetha de Valoir und so tue ich es auch noch heute Meinen Nikolas werde ich nie vergessen, denn vergessen wäre entgültiger als der Tod, den ich doch längst überwunden habe.